Odin, Woche 5 – als mir plötzlich ein fremder Hund in die Arme sprang

von Paul | 8-10-2026 | Abenteuer von Odin & Zara, Tagebuch

Duitse Herder heropvoeding week 5

Silly Shepherds · Lesezeit ca. 7 Minuten

Es gibt Tage, an denen du einen Plan hast.

Und das Leben sagt: Interessant. Wir machen trotzdem etwas anderes.

Donnerstag, 3. September. Viertel nach fünf. Ich bin bereit für den Spaziergang. Odin und Zara stehen schon an der Tür.

Dann geht die Tür neben unserem Haus auf.

Und ein Malinois springt mir in die Arme.

Ohne Leine. Ohne Halsband. Ohne alles.

So beginnt Tag 34.

🐾 Die entlaufene Malinois-Hündin

Eine Hündin. Läufig. Nervös, aber in diesem Moment ohne aggressives Verhalten. Ein schönes Tier, das sich unauffällig bewegt.

Odins alte Seilleine liegt noch griffbereit.

Ja, genau die Seilleine vom ersten Tag. Offenbar hat sie beschlossen, noch eine Nebenrolle in unserem Leben zu übernehmen.

Damit sichere ich die Hündin. Meine eigenen Hunde bringe ich zunächst in den Garten hinter dem Haus.

Erst einmal verhindern, dass sie wieder auf die Straße läuft.

Bei zwei Adressen in unserer Straße weiß ich, dass dort Malinois leben. Aber niemand erkennt sie.

Also: Nachricht in die Nachbarschaftsgruppe, ein Beitrag auf Facebook und ein Anruf bei der niederländischen Tierschutzorganisation.

Neun Anrufende vor mir.

Zwanzig Minuten später kann ich mein Anliegen schildern.

Es soll jemand kommen. Allerdings könnte das noch etwa eine Stunde dauern. Und falls ein dringenderer Einsatz dazwischenkommt …

An diesem Punkt steigt mein Blutdruck.

Ich stehe da mit einem fremden Hund und habe den Eindruck, dass die Menschen, die helfen sollen, schlicht zu wenig Möglichkeiten haben.

Wie die Finanzierung im Einzelnen aussieht, weiß ich nicht. Aber in diesem Moment wünsche ich mir vor allem eines: dass die Hilfe für Tiere im Alltag besser ausgestattet ist.

Zum Glück hat eine Bekannte weiter oben in der Straße bereits die Polizei verständigt. Über ihre Tochter bei der Polizei in Maastricht kommen zwei Beamte zu uns.

Zwei ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Menschen.

Sie haben zunächst kein Chiplesegerät dabei. Weitere Unterstützung mit einem Lesegerät ist aber unterwegs.

Das erste Gerät funktioniert nicht. Mit dem zweiten, neueren klappt es.

Und noch bevor die Halterdaten nachgeschaut werden können, kommt ein Mann die Straße entlang.

Die Hündin erkennt ihn sofort.

Halter gefunden. Daten ausgetauscht. Die Beamten können weiter.

Vielen Dank an die beiden. Sie haben uns wirklich geholfen.

Zwei Stunden später.

Meine eigenen Hunde warten immer noch auf ihren Spaziergang.

🐾 Was Odin machte – und worüber ich mich freute

Während der ganzen Aktion sind Odin und Zara im Garten hinter dem Haus.

Später lasse ich sie die Malinois-Hündin kurz kennenlernen.

Im Rückblick war diese Begegnung nicht unbedingt nötig. Eine fremde, aufgeregte und zudem läufige Hündin hatte bereits genug erlebt.

Odin möchte sie sehr eifrig begrüßen. Sie schnappt kurz in seine Richtung.

Er weicht zurück.

Keine Gegenreaktion. Keine Eskalation.

Für mich ist das ein erleichternder Moment. Trotzdem möchte ich nicht darauf angewiesen sein, dass andere Hunde ihn erst deutlich abweisen müssen. Solche Kontakte muss ich früher und ruhiger begleiten.

Das Schönste an diesem Tag passiert für mich aber erst danach.

Als ich endlich mit meinen beiden Hunden in den Wald gehe, hat Odin im Garten keinen Kot abgesetzt.

Dabei hatte er das in den vergangenen Wochen regelmäßig gemacht. Bei seinem früheren Besitzer war es offenbar Teil seines Alltags gewesen.

Diesmal hält er bis zum Spaziergang durch. Insgesamt etwa drei Stunden.

Das werte ich als kleinen Fortschritt in unserem neuen Tagesablauf. Natürlich bleibt es meine Aufgabe, ihm rechtzeitig Gelegenheit zum Lösen zu geben.

Wegen eines fremden Hundes hatte sich schließlich mein Plan verschoben, nicht seiner.

🐾 Was diese Woche außerdem passiert ist

Tag 31 und 32 – Garry bekommt mehr Abstand

Odin sucht Garry nicht mehr so häufig auf.

Es wirkt, als würde er dessen Wunsch nach Abstand zunehmend berücksichtigen.

Ein Teil seiner Energie richtet sich stattdessen auf Zara. Da muss ich weiterhin aufpassen. Sie möchte nicht jedes Mal raufen, nur weil Odin gerade Lust darauf hat.

Wenn beide sich gemeinsam mit einem Stock beschäftigen, entstehen aber auch schöne Spielmomente.

Die Freude daran bleibt. Gleichzeitig muss ich darauf achten, dass aus dem gemeinsamen Spielen kein Gerangel wird.

Tag 33 – gemeinsam im Wald

Auf einem geraden Wegstück lasse ich Odin kurz von der Leine.

Er und Zara laufen und beschäftigen sich gemeinsam mit Stöcken.

Diese Momente – zwei Hunde, die sichtbar Freude miteinander haben – bedeuten mir viel.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen bleibt aber klar: Ein gelungenes Wegstück beweist noch keinen sicheren Rückruf. Ich muss die Umgebung und mögliche Begegnungen im Blick behalten.

Tag 35 – ein freundlicher Mensch

Auf der Hundewiese treffen wir einen Mann, der selbst lange Schäferhunde gehalten hat.

Zara begrüßt ihn sofort begeistert.

Odin bleibt auf Abstand, wirkt auf mich aber weniger unsicher als bei der vorherigen Begegnung.

Niemand muss ihm näherkommen, als ihm angenehm ist.

Eine kleine Veränderung. Aber ich bemerke sie.

Tag 35 – Stella von der Schule abholen

Wir holen Stella von der Schule ab.

Odin hat sich zuvor im Gewerbegebiet nicht gelöst. Das macht mich kurz nervös, weil ich gehofft hatte, dass er die Gelegenheit nutzen würde.

Aber auch das gehört zu unserem neuen Alltag: herausfinden, wo und wann er sich entspannt genug fühlt.

Nur weil ich den Zeitplan praktisch finde, muss Odin ihn noch lange nicht verstanden haben.

Tag 35 – die Regenwand

Ich denke, ich bin schlau, und gehe vor dem angekündigten stärksten Regen los.

Wir sind schon über eine Stunde im Wald, als der Himmel seine gesamte Wasserversorgung auf einmal öffnet.

Kein Schauer.

Ein Wasserfall.

Wir sind völlig durchnässt. Selbst die Hunde finden es nicht mehr lustig.

Unter den Nadelbäumen Schutz zu suchen, bringt gegen diesen Regen kaum etwas. Bis zum Auto sind es noch ungefähr zwanzig Minuten.

Also zurück, etwas zügiger als geplant.

Zu Hause kommt der Hundeföhn zum Einsatz.

Zara: wunderbar. Bitte auch die andere Seite.

Odin bleibt stehen, würde aber lieber verschwinden.

Das ist weiterhin kein entspanntes Mitmachen. Bei ihm brauchen wir kürzere, angenehmere Schritte – und notfalls erst einmal das Handtuch statt eines vollständigen Föhnprogramms.

Tag 36 – zweimal die Bergrunde

Wir gehen zweimal unsere drei Kilometer lange Bergrunde.

Auf übersichtlichen geraden Abschnitten lasse ich Odin kurz frei laufen.

Er schnüffelt ruhig. Keine hektischen Aktionen.

Genau solche entspannten Momente wünsche ich mir häufiger.

Wie viel Bewegung gerade zu seinem Ellenbogen passt, muss dabei weiterhin berücksichtigt werden. Sein Tatendrang allein ist kein Maßstab für die Belastbarkeit.

Tag 37 – Landgraaf und ein Bad für beide

Im Freilaufgebiet in Landgraaf gibt es Bewegung, Schnüffeln und Spielversuche mit Zara.

Danach werden beide gewaschen.

Odin trifft beim Pinkeln noch immer gelegentlich seine Vorderpfoten. Inzwischen trägt er den Duft ziemlich großzügig mit sich herum.

Zara liebt Wasser und ist ebenfalls dabei.

Zwei Schäferhunde, ein Waschprogramm und anschließend vermutlich mehr Wasser außerhalb der vorgesehenen Stelle als darin.

🐾 Spielen – weiterhin eine Baustelle

Dieser Punkt verdient einen eigenen Abschnitt.

Odin geht beim Spielen oft zu schnell und zu kräftig vor.

Andere Hunde weisen ihn ab. Zara kommt zu mir und sucht Abstand. Dann muss ich eingreifen.

Warum er so spielt, kann ich nicht sicher sagen. Seine bisherigen Erfahrungen kenne ich nur teilweise. Vielleicht fehlen ihm passende Lernerfahrungen, vielleicht ist er sehr aufgeregt – wahrscheinlich müssen wir genauer auf die jeweilige Situation schauen.

Ich kann jedenfalls nicht einfach voraussetzen, dass jeder Hund, auf den er zuläuft, mitspielen möchte.

Ein Abschnappen ist kein Trainingsprogramm, das andere Hunde für uns übernehmen sollen.

Meine Aufgabe ist, früher zu handeln: Tempo herausnehmen, Pausen ermöglichen und Begegnungen beenden, bevor jemand sich bedrängt fühlt.

Wenn ich „ruhig“ sage und Odin kurz innehält, freue ich mich darüber. Ob er das Wort schon wirklich verstanden hat, zeigt sich erst mit weiteren passenden Wiederholungen.

Geduld. Wiederholung. Zeit.

Und ein Mensch, der lernt, rechtzeitig hinzuschauen.

🐾 Fünf Wochen – unsere Bilanz

Vor fünf Wochen:

Eine Seilleine. Eine heftige Reaktion auf die Labradorhündin. Kaum gelernte Grundsignale.

Jetzt:

Ein vertrauterer Tagesablauf. Ein Moment, in dem er auf die deutliche Abweisung einer fremden Hündin mit Abstand reagiert. Ruhige Abschnitte draußen. Gemeinsame Spielmomente mit Zara.

Das sind Fortschritte.

Sie machen Odin noch nicht unter allen Bedingungen zuverlässig. Und sie ändern nichts daran, dass ich Begegnungen und Freilauf besser absichern muss.

Aber ich sehe, dass sich etwas entwickelt.

Nicht schnell. Nicht mühelos.

Doch in eine Richtung, die mir Hoffnung macht.

Und für diese Woche ist das viel.

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Das ist keine Trainingsanleitung. Es ist unser ehrliches Tagebuch über einen Hund, der eine zweite Chance verdient – und einen Menschen, der weiterlernt und nicht aufgibt. Woche für Woche. Schritt für Schritt.

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