Silly Shepherds · Lesezeit ca. 11 Minuten
Frag zehn Schäferhundmenschen, was sie ihrem Hund füttern, und du bekommst zehn verschiedene Antworten.
Dazu zehn Erklärungen, warum die anderen neun falschliegen.
Ernährung gehört in der Hundewelt zu den beliebtesten Diskussionsthemen. BARF-Fans schwören auf rohes Fleisch. Trockenfutterfreunde verweisen auf Forschung und Alltagstauglichkeit. Frischfutterbegeisterte bringen Tabellen mit Nährwerten mit.
Und alle sind überzeugt, die beste Lösung gefunden zu haben.
Wir auch. Auf unsere eigene Weise.
Nach fast dreißig Jahren mit Deutschen Schäferhunden – von Schadow bis Zara – haben wir vor allem eines gelernt: Es gibt nicht die eine Fütterungsweise, die für jeden Hund passt. Aber es gibt wichtige Grundlagen. Und Fehler, die man sich sparen kann.
Eine kurze Begriffsklärung: Mit BARF meinen wir hier selbst zusammengestellte rohe Rationen aus Fleisch, gegebenenfalls Knochen, Innereien und pflanzlichen Bestandteilen. Mit Frischfutter meinen wir fertig zusammengestelltes frisches oder schonend gegartes Futter. Das kann ebenfalls roh sein. Ob es vollständig und ausgewogen ist, muss man trotzdem prüfen.
Hier kommt unser ehrlicher Erfahrungsbericht.
Wie wir angefangen haben – Royal Canin Croc
Schadow, Troy und Ayla bekamen über viele Jahre Royal Canin Croc.
Und nach unserer Erfahrung kamen sie damit hervorragend zurecht.
Croc hatte große, harte Futterstücke. Unsere Hunde mussten darauf kauen, statt alles einfach herunterzuschlucken. Das gefiel uns. Allerdings beweist die Größe einer Krokette allein noch keinen besonderen Nutzen für Zähne oder Verdauung.
Bezahlbar war es damals ebenfalls: ungefähr vierzig Euro für fünfundzwanzig Kilo. Bei einem großen Hund, der ordentlich frisst, ist das durchaus ein Argument.
Irgendwann konnten wir das gewohnte Croc nicht mehr bekommen. Eine klare Erklärung erreichte uns nicht. Die Alternative, die wir fanden, hatte kleinere Futterstücke und kostete deutlich mehr.
Wir haben uns daraufhin nach etwas anderem umgesehen.
Nicht nur wegen des Preises. Nach der Umstellung schien auch Zaras Fell weniger schön zu glänzen. Ob das tatsächlich am Futter lag, war damit noch nicht bewiesen. Für uns war es aber ein Anlass, genauer hinzuschauen.
Worauf solltest du bei der Futterwahl achten?
Schau nicht nur auf die erste Zutat der Verpackung.
Zutaten werden üblicherweise nach ihrem Gewicht vor der Verarbeitung aufgeführt. Frisches Fleisch enthält viel Wasser und kann deshalb weit oben stehen. Ein weiter unten aufgeführtes getrocknetes tierisches Produkt kann trotzdem einen erheblichen Anteil an Nährstoffen liefern.
Die Zutatenliste allein sagt außerdem wenig über Verdaulichkeit und Qualitätskontrolle aus.
Wichtiger ist:
- Ist das Produkt als Alleinfuttermittel gekennzeichnet?
- Passt es zum Alter und zur Lebensphase deines Hundes?
- Ist es für einen wachsenden Hund großer Rasse geeignet, falls du einen Welpen hast?
- Wer entwickelt die Rezeptur?
- Wie kontrolliert der Hersteller Qualität und Nährstoffgehalte?
- Welche Untersuchungen oder Fütterungsstudien gibt es?
Auch die WSAVA empfiehlt, bei der Auswahl auf Ernährungsfachwissen, Qualitätskontrolle und Forschung zu achten, statt sich allein von der Zutatenliste leiten zu lassen. wsava.org
Getreide ist übrigens nicht automatisch ein nutzloser „Füllstoff“. Es kann unter anderem Energie, Eiweiß, Ballaststoffe und weitere Nährstoffe liefern.
Entscheidend ist die gesamte Rezeptur.
Eine Futtersackaufschrift kann sehr überzeugend klingen. Dein Hund muss damit trotzdem gut versorgt sein.
Unser Wechsel zu Purina Pro Plan
Wir suchten eine Alternative, die zu Zara und ihren Bedürfnissen passte. Haut und Fell wollten wir dabei besonders im Blick behalten.
Wir entschieden uns für Purina Pro Plan Large Robust Adult Sensitive Skin mit Lachs.
Das ist die Produktbezeichnung der Variante, die wir gekauft haben. Namen, Zusammensetzung und Verfügbarkeit können je nach Land und Zeitpunkt unterschiedlich sein. Prüfe deshalb immer die konkrete Verpackung.
Damals bezahlten wir ungefähr dreiundfünfzig Euro für vierzehn Kilo. Das war pro Kilo teurer als unser früheres Croc. Für uns passte das Verhältnis trotzdem.
Diese Preise sind unsere damaligen Einkaufspreise, keine aktuellen Preisangaben für Deutschland, Österreich oder die Schweiz.
Wir beobachten vor allem Zaras Gewicht, Körperkondition, Kot und Energie. Zusammen mit der passenden Kennzeichnung als Alleinfuttermittel ergibt das für uns ein sinnvolles Gesamtbild.
Sie verträgt das Futter nach unserer Erfahrung gut.
Das ist unsere Erfahrung mit Zara. Keine allgemeine Empfehlung, dass jeder Schäferhund genau diesen Sack braucht.
Vom Welpenfutter zum Erwachsenenfutter – langsam umstellen
Ein Deutscher Schäferhund wächst über einen längeren Zeitraum.
Während des Wachstums braucht er ein vollständiges Futter, das für Welpen großer Rassen geeignet ist. Dabei zählen nicht nur Eiweißgehalte, sondern auch eine passende Energieversorgung und abgestimmte Mineralstoffmengen.
Gib einem wachsenden Welpen nicht auf eigene Faust zusätzliches Calcium oder andere Mineralstoffe. Mehr ist hier nicht automatisch besser.
Der Wechsel zum Erwachsenenfutter liegt bei großen Rassen häufig zwischen zwölf und achtzehn Monaten. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Entwicklung des Hundes und dem jeweiligen Futter ab. Besprich Unsicherheiten mit deiner Tierarztpraxis. Cummings School of Veterinary Medicine
Zara wechselte mit sechzehn Monaten auf Erwachsenenfutter. Das funktionierte bei ihr gut.
Wie du umstellst, ist ebenfalls wichtig. Ein möglicher Ablauf:
- Tag 1–2: 75 % bisheriges Futter, 25 % neues Futter.
- Tag 3–4: jeweils 50 %.
- Tag 5–6: 25 % bisheriges Futter, 75 % neues Futter.
- Ab Tag 7: vollständig das neue Futter.
Bei empfindlichen Hunden kannst du die Umstellung auf zehn bis vierzehn Tage ausdehnen.
Das ist eine Orientierung, kein Pflichtfahrplan. Bei Beschwerden oder einer medizinisch notwendigen Futterumstellung gelten die Empfehlungen deiner Tierarztpraxis.
Der Verdauungstrakt freut sich meistens mehr über einen ruhigen Übergang als über eine Überraschung im Napf.
Die Sache mit dem Ei – eine Erfahrung, die wir teilen
Diese Geschichte erzählen wir nicht besonders gern.
Aber vielleicht erspart sie jemand anderem dieselbe Überlegung.
Vor einigen Monaten ließ Zara gelegentlich Futter stehen. Sie fraß weniger begeistert als sonst.
Wir dachten: Vielleicht braucht sie etwas Besonderes.
Ein rohes Ei dazu. Das ist doch gesund, oder?
Rohes Eiklar enthält Avidin, das Biotin binden kann – ein wichtiges B-Vitamin. Ein gelegentliches ganzes rohes Ei bedeutet deshalb nicht automatisch einen Mangel. Regelmäßig große Mengen rohen Eiklars sind aber keine gute Idee. Hinzu kommen mögliche Krankheitserreger in rohen tierischen Lebensmitteln. PMC
Kurz darauf wurde Zaras Fell stumpfer und sie verlor Haare.
Ob das Ei die Ursache war, wurde nie festgestellt.
Fellwechsel, Parasiten, Allergien oder andere Ursachen hätten ebenfalls eine Rolle spielen können. Die Beschwerden verschwanden, nachdem wir die Eier wegließen. Das war eine Beobachtung, kein Beweis.
Wenn du gelegentlich Ei geben möchtest, dann vorzugsweise durchgegart, ohne Salz oder Gewürze und in einer passenden kleinen Menge.
Bei wiederkehrendem Haarausfall oder Hautproblemen gehört die Ursachenklärung in die Tierarztpraxis.
Ein Napfexperiment ersetzt keine Diagnose.
Der Napf muss nicht jeden Tag leer sein
Viele neue Schäferhundhalter werden nervös, wenn ihr Hund nicht jede Mahlzeit vollständig frisst.
Wir kennen das von Ayla. Und inzwischen auch von Zara.
Manchmal bleibt etwas übrig. Manchmal ist der Appetit geringer als sonst.
Eine einzelne ausgelassene Mahlzeit muss bei einem ansonsten gesunden erwachsenen Hund kein Notfall sein. Wichtig ist aber, ob sich sein Verhalten plötzlich verändert und ob weitere Beschwerden dazukommen.
Frisst dein Hund ungefähr vierundzwanzig Stunden gar nichts, solltest du tierärztlich nachfragen. Bei Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit, Schmerzen oder anderen Auffälligkeiten deutlich früher.
Bei Welpen, vorerkrankten Hunden oder Unsicherheit wartest du ebenfalls nicht so lange.
Der halbvolle Napf allein erzählt eben noch nicht die ganze Geschichte.
Trockenfutter, BARF oder Frischfutter – was passt zu euch?
Die große Frage.
Unsere Antwort: Schau auf deinen Hund, eure Lebensumstände und darauf, ob die Ernährung vollständig, sicher und alltagstauglich ist.
Trockenfutter
Trockenfutter lässt sich einfach lagern und portionieren.
Ein geeignetes Alleinfuttermittel kann alle benötigten Nährstoffe liefern. Aber „trocken“ ist noch kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend bleiben Rezeptur, Eignung und Qualitätskontrolle.
Ein hoher Preis und eine hübsche Verpackung machen aus einem Futter ebenfalls noch keine ausgewogene Ernährung.
BARF
Bei BARF stellst du rohe Bestandteile zu einer Ration zusammen.
Manche Halter berichten von schönerem Fell oder geringerem Kotvolumen. Solche Beobachtungen beweisen allerdings nicht, dass Rohfütterung grundsätzlich gesünder ist. Überzeugende Belege für allgemeine gesundheitliche Vorteile gegenüber ausgewogener gegarter oder kommerzieller Ernährung fehlen.
Dokumentierte Risiken sind dagegen Krankheitserreger, unausgewogene Nährstoffversorgung und Verletzungen durch Knochen.
Besonders problematisch ist Rohfütterung in Haushalten mit kleinen Kindern, älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. wsava.org
Möchtest du selbst zusammengestellte Rationen füttern, lass sie von einer tierärztlichen Fachperson mit fundierter Ernährungsqualifikation berechnen oder überprüfen.
Ein Prozentplan aus dem Internet ist noch keine vollständige Nährstoffberechnung.
Frischfutter
Fertig zusammengestelltes Frischfutter kann roh oder gegart sein.
Achte auf die Kennzeichnung:
Alleinfuttermittel ist als vollständige tägliche Ernährung für die angegebene Lebensphase gedacht.
Ergänzungsfuttermittel ist allein nicht vollständig und braucht eine passende Ergänzung.
Auch ein fertig verpacktes Rohfutter behält die hygienischen Risiken roher Zutaten. „Frisch“ bedeutet nicht automatisch „ausgewogen“ oder „sicherer“.
Unser Fazit nach fast dreißig Jahren: Geeignetes Trockenfutter funktioniert bei uns sehr gut.
Wir achten darauf, wie Zara insgesamt damit zurechtkommt: gutes Gewicht, passende Energie, unauffällige Verdauung und ein gepflegtes Fell.
Geformter Kot ist dabei ein nützlicher Hinweis, aber kein Qualitätszertifikat.
Weicher, auffällig großer oder stark riechender Kot kann verschiedene Ursachen haben: zu viel Futter, eine schnelle Umstellung, Stress, Parasiten oder Erkrankungen.
Beobachten lohnt sich. Diagnosen stellt der Kot allerdings nicht selbst.
Wie viel Futter braucht ein großer Hund?
Die Mengenangabe auf dem Sack ist ein Startpunkt.
Keine Naturgesetzgebung.
Gewicht, Aktivität, Alter und Stoffwechsel unterscheiden sich von Hund zu Hund.
Beginne mit der passenden Herstellerempfehlung und kontrolliere regelmäßig Gewicht und Körperkondition. Nach zwei bis drei Wochen kannst du beurteilen, ob die Menge angepasst werden sollte.
Bei einer guten Körperkondition lassen sich die Rippen unter einer dünnen Fettschicht leicht ertasten. Von oben ist eine Taille erkennbar. Von der Seite steigt die Bauchlinie hinter den Rippen etwas an.
Die neunstufige Körperkonditionsskala der WSAVA kann dabei helfen. Für die meisten Hunde liegt der Idealbereich ungefähr bei 4 oder 5 von 9. PMC
Sind die Rippen deutlich sichtbar oder verliert dein Hund Gewicht, lass Ernährung und Gesundheit beurteilen. Einfach mehr in den Napf zu schütten ist nicht immer die richtige Lösung.
Kannst du die Rippen kaum ertasten, ist möglicherweise weniger Energie nötig.
Eine aktive junge Hündin wie Zara kann mehr brauchen als ein älterer, ruhiger Hund. Leckerchen und andere Extras gehören dabei zur Tagesmenge dazu.
Füttere den Hund, der vor dir steht. Nicht nur die Zahl auf der Verpackung.
Notfall: Eine mögliche Magendrehung erkennen
Große Hunde mit tiefem Brustkorb, darunter Deutsche Schäferhunde, können eine Magendrehung entwickeln.
Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Alarmzeichen sind unter anderem:
- erfolgloses Würgen;
- ein zunehmend aufgeblähter Bauch;
- starke Unruhe;
- vermehrtes Speicheln;
- Schwäche oder Zusammenbrechen.
Warte nicht ab. Kontaktiere sofort eine Tierklinik oder den tierärztlichen Notdienst und lass deinen Hund unverzüglich untersuchen. Nicht alle Anzeichen müssen gleichzeitig auftreten.
Verteile die Tagesration möglichst auf mehrere Mahlzeiten, statt eine einzige sehr große Portion zu geben. Das bietet keinen vollständigen Schutz vor einer Magendrehung, vermeidet aber eine große Einzelmahlzeit als bekannten Risikofaktor. American College of Veterinary Surgeons
Zusammenfassung
- Schau auf Vollständigkeit, Eignung und Qualitätskontrolle – nicht nur auf die erste Zutat.
- Stelle Futter schrittweise um. Empfindliche Hunde brauchen möglicherweise mehr Zeit.
- Wachsende Schäferhunde brauchen geeignetes Futter für Welpen großer Rassen. Zusätzliche Mineralstoffe nur nach fachlicher Empfehlung.
- Der Wechsel zum Erwachsenenfutter liegt häufig zwischen zwölf und achtzehn Monaten, abhängig von Hund und Produkt.
- Gib Ei vorzugsweise durchgegart. Wiederkehrende Haut- oder Fellprobleme gehören tierärztlich abgeklärt.
- Selbst zusammengestellte Rationen brauchen eine fachlich geprüfte Nährstoffversorgung. Rohfütterung bringt zusätzliche Risiken mit sich.
- Fertiges Frischfutter ist nicht automatisch ein Alleinfuttermittel. Prüfe die Kennzeichnung.
- Bei anhaltender Futterverweigerung oder weiteren Beschwerden kontaktiere deine Tierarztpraxis.
- Passe die Menge an Gewicht und Körperkondition an. Zähle Extras mit.
- Kenne die Warnzeichen einer Magendrehung und handle sofort.
Was bekommt dein Deutscher Schäferhund? Trockenfutter, BARF oder etwas anderes? Erzähl es uns in den Kommentaren!
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🐕 Erfahrung, ohne die Fakten zu vergessen
Wir schreiben aus fast dreißig Jahren Leben mit Deutschen Schäferhunden – einschließlich unserer Erfahrung mit dem rohen Ei. Persönliche Erfahrungen benennen wir als solche. Ernährungs- und Gesundheitsinformationen prüfen wir anhand verlässlicher Quellen. Und wenn etwas nicht sicher ist, sagen wir das auch.




























