Silly Shepherds · Lesezeit ca. 6 Minuten
Sonntag, 13. September.
Odin ist zwei Jahre alt geworden.
Über seine ersten beiden Lebensjahre wissen wir nur einen Teil. Als er zu uns kam, brachte er ein Seil als Leine mit und kannte kaum grundlegende Signale.
Jetzt beginnt ein anderes Kapitel.
Mit Zara. Mit Lio. Mit einer Decke auf dem Sofa und seinem festen Warteplatz vor der Tür, wenn ich auf die Toilette gehe.
Privatsphäre gehört weiterhin nicht zu seinen Geburtstagswünschen.
Wir haben gefeiert.
Partyhütchen, Girlanden und Geschenke. Ein großer Kauknochen und seeehr viele Bälle für beide Hunde.
Das Auspacken kam etwas ins Stocken. Der Kauknochen hatte bereits sämtliche Aufmerksamkeit gewonnen. Die übrigen Geschenke mussten sich hinten anstellen.
Aber das Fest war für beide.
Willkommen zu Hause, Odin.
Jetzt auch mit Geburtstagsparty.
🐾 Was Woche 6 außerdem brachte
Eine ruhigere Woche als die vorherige.
Keine entlaufenen Hunde. Keine Regenwand mitten im Wald.
Einfach fünf Spaziergänge am Tag, vertraute Abläufe und kleine Übungen.
Auch das ist Training.
Vielleicht sogar der Teil, den man am leichtesten unterschätzt.
Garry – mehr Abstand
Odin hält inzwischen häufiger Abstand zu Garry, dem älteren Hund auf der Wiese.
Für mich wirkt es, als würde er dessen Signale besser berücksichtigen.
Ob das Respekt, Vorsicht oder eine Mischung aus bisherigen Erfahrungen ist, kann ich nicht sicher sagen. Entscheidend ist: Er läuft nicht mehr ständig direkt auf ihn zu.
Und ich möchte weiter dafür sorgen, dass Garry seinen Wunsch nach Abstand nicht jedes Mal deutlich durchsetzen muss.
Charlie und Butter – schöne gemeinsame Momente
Mit Charlie klappt das Spielen zunehmend besser.
An Tag 39 ist Odin mit Charlie und Butter auf der Hundewiese unterwegs. Er reagiert an diesem Tag sehr gut auf mich.
Das sind die Momente, in denen ich denke: Langsam fällt der Groschen.
Noch nicht unter allen Bedingungen. Aber hier, heute, in dieser Situation.
Und darüber darf man sich freuen.
Bowie – diesmal mit Leine
An Tag 41 ist auch Bowie wieder da.
Der kleine Hund, dem Odin in der vergangenen Woche hinterhergelaufen war.
Diesmal bleibt Odin an der Leine.
Für diese Kombination sind wir noch nicht bereit. Kleine Hunde, die schnell weglaufen, lösen bei ihm weiterhin den Impuls aus, hinterherzurennen.
Also sichern, Abstand halten und weiter unter leichteren Bedingungen üben.
Geduld sieht manchmal einfach aus wie eine angelegte Leine.
Eine verdächtige Brotscheibe
An Tag 42 warnt uns im Wald ein Mann: Er hat eine verdächtige Brotscheibe gefunden. Möglicherweise sei sie vergiftet.
Ob tatsächlich Gift darin war, wissen wir nicht.
Meine Hunde haben nichts davon aufgenommen. Trotzdem bleibt die Warnung bei mir hängen.
Sie erinnert mich daran, das Liegenlassen und Abgeben von Fundstücken gezielter zu üben. Ein Signal allein ist allerdings kein vollständiger Schutz. Ich muss weiterhin hinschauen und verdächtige Stellen meiden.
Die Frau mit dem Malinois
An Tag 43 begegnen wir einer polnischen Frau mit ihrem Malinois.
Nach ihrer Schilderung wurde der Hund sehr früh von seiner Mutter getrennt. Ob und wie das mit seinem heutigen Verhalten zusammenhängt, lässt sich aus einer Begegnung nicht beurteilen.
Er knurrt und bellt wiederholt in Odins Richtung.
Odin reagiert diesmal nicht darauf.
Für mich ist das einer der bemerkenswertesten Momente dieser Woche: derselbe Hund, der sechs Wochen zuvor bei der Labradorhündin völlig ausrastete, bleibt bei dieser Begegnung ruhig.
Das bedeutet nicht, dass wir ihn solchen Situationen länger aussetzen müssen. Abstand bleibt wichtig.
Aber diese ruhige Reaktion nehme ich gerne mit.
Vielleicht zeigt sich hier etwas von unserer bisherigen Arbeit. Vielleicht waren auch Abstand und Tagesform günstiger.
Wahrscheinlich muss nicht jeder gute Moment sofort vollständig erklärt werden.
🐾 Der Herbst kommt
Die Abende werden merklich dunkler.
Lampe mitnehmen. Regenschirm bereithalten. Wetter-App prüfen und anschließend feststellen, dass der Himmel offenbar eine andere App benutzt.
Mit dem Herbst verändert sich auch unser Spazieralltag.
Manchmal sind weniger Menschen unterwegs. Die Hundewiese ist ruhiger. Es gibt mehr Gelegenheiten, mit Odin unter überschaubaren Bedingungen zu üben.
Weniger Betrieb bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Freilauf sicher ist. Andere Hunde, Wildtiere und überraschende Begegnungen können trotzdem auftauchen.
Wir müssen weiterhin schauen, was an diesem Tag und an diesem Ort passt.
Und Odin im Regen?
An Tag 35 kamen wir völlig durchnässt nach Hause. Inzwischen wirkt er bei gewöhnlichem Regen weniger beeindruckt und läuft einfach weiter.
Ich arbeite noch an derselben Gelassenheit.
🐾 Sechs Wochen – wo stehen wir?
Vor sechs Wochen:
Ein Seil als Leine. Kaum gelernte Signale. Eine heftige Reaktion auf die Labradorhündin.
Jetzt:
Mehr Abstand zu Garry. Eine ruhige Begegnung mit einem aufgeregten Malinois. Entspanntere Abschnitte draußen und immer mehr Momente, in denen Odin auf meinen Ruf reagiert.
Nicht immer. Nicht überall.
Aber häufiger.
Und jetzt ist er zwei Jahre alt.
Mit einem Kauknochen. Mit Bällen. Mit einem Partyhütchen.
Vor allem aber mit einem Platz in unserem Alltag.
Nicht schlecht für einen Hund, für den seine frühere Familie dringend ein neues Zuhause gesucht hatte.
Alles Gute zum Geburtstag, Odin.
Wir haben noch einiges miteinander vor.
Nächste Woche gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Folge uns, damit du es nicht verpasst.
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🐕 Kein Wikipedia-Eintrag. Einfach unser Leben.
Das ist keine Trainingsanleitung. Es ist unser ehrliches Tagebuch über einen Hund, der eine zweite Chance verdient – und einen Menschen, der weiterlernt und nicht aufgibt. Woche für Woche. Schritt für Schritt.





























