Silly Shepherds · Lesezeit ca. 7 Minuten
Die zweite Woche begann vielversprechend.
An Tag 8 waren wir ruhig an der Labradorhündin vom ersten Abend vorbeigegangen. Wir hatten einen Rhythmus gefunden. „Sitz“ klappte einigermaßen. Mit der Würgekette hatte ich damals den Eindruck, Odin besser halten zu können.
Und dann sprang er irgendwo herunter und verletzte sich am Ellenbogen.
So läuft das mit Hunden.
Und gelegentlich auch mit dem Leben: Kaum denkst du, jetzt wird es ruhiger, kommt die nächste Baustelle um die Ecke.
🐾 Die Verletzung – Tag 9
Sonntag, 9. August. Odin humpelt.
Nicht bei jedem Schritt gleich deutlich, aber genug, um es zu bemerken. Beim Spielen scheint er es kurz zu vergessen. Sobald er zur Ruhe kommt, fällt es wieder auf.
Wir versuchen, ihm mit vorsichtiger Massage und Kühlung im Planschbecken zu helfen. Er geht selbst gerne hinein. Die Spaziergänge werden ruhiger.
Das beschreibt, was wir damals gemacht haben – nicht, was bei jeder Verletzung sinnvoll ist. Dass ein Hund noch spielen möchte, sagt außerdem wenig darüber aus, wie sehr ihn etwas schmerzt.
An Tag 12 rufe ich den Tierarzt an. Das Humpeln hält an, und ich möchte es abklären lassen.
Unser Tierarzt – für uns der Beste im Süden, und er macht Hausbesuche – findet um 17:30 Uhr einen Termin.
Die Diagnose: eine Verstauchung im Bereich des Ellenbogens. Er verordnet ein schmerzstillendes und entzündungshemmendes Medikament für 24 Tage. Die erste Tablette bekommt Odin gleich.
Dann beginnt das Medikamentenabenteuer.
Am Abend, nach der ersten Tablette, erbricht Odin sein Futter und Schleim. Die ganze Bescherung.
Er wirkt erschrocken und verunsichert. Wir räumen ruhig auf, ohne großes Theater. Etwas Wasser, kurz nach draußen. Die Nacht verläuft anschließend ruhig.
An Tag 14, um zwei Uhr morgens, passiert es wieder. Diesmal kommt mehr Schleim als Futter.
Wir wechseln von der Lachsvariante zu Purina Pro Plan Sensitive Digestion mit Lamm und Reis.
Danach bleibt das Futter bei ihm, und die nächtlichen Zwischenfälle hören auf.
Ob tatsächlich der Futterwechsel den Unterschied gemacht hat, lässt sich aus diesem Ablauf allein nicht sicher sagen. Auch das Medikament kam als mögliche Ursache des Erbrechens infrage.
Wichtig für alle, die das lesen: Erbrechen während einer Behandlung mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel gehört umgehend mit der Tierarztpraxis besprochen. Bei Verdacht auf eine Nebenwirkung eines nichtsteroidalen Entzündungshemmers soll das Mittel bis zur tierärztlichen Rücksprache nicht weitergegeben werden. Ein Futterwechsel ersetzt diese Abklärung nicht. FDA
🐾 Die Überraschung nach der Schmerzbehandlung
Mit einer Sache hatte ich nicht gerechnet.
An Tag 13 wirkt Odin körperlich wieder wohler – und plötzlich habe ich wieder einen Hund mit ordentlich Schwung an der Leine.
Mehr Energie. Mehr von seinem Temperament. Und damit auch wieder mehr von den Reaktionen, die uns draußen beschäftigen.
An einem Tag greife ich bei Begegnungen mit drei verschiedenen Hunden insgesamt viermal korrigierend ein.
Das war meine damalige Reaktion. Es bedeutet nicht, dass diese Eingriffe die Ursache seiner Aufregung gelöst hätten.
Meine Beobachtung war vor allem: Sobald er sich besser fühlte, wollte er wieder deutlich mehr unternehmen.
Schmerzbehandlung ist eben kein Grundkurs in Leinenführigkeit.
Ein Schritt vor und zwei zurück – so fühlte es sich jedenfalls an. Ich wusste, dass Fortschritt nicht geradlinig verläuft. Diese Woche erinnerte mich trotzdem ziemlich nachdrücklich daran.
🐾 Zara – eine leise Veränderung
Auch Zara verändert sich in dieser Woche.
Sie wirkt weniger aufmerksam und weniger eifrig. Ein bisschen nach dem Motto: Was heute nicht klappt, kann morgen immer noch warten.
Vielleicht spielt die Wärme eine Rolle. In Südlimburg haben wir weiterhin dreißig bis sechsunddreißig Grad. Auch ihre Läufigkeit könnte mit hineinspielen.
Und dann ist da Odin.
Ich frage mich, ob seine Anwesenheit ihre Routinen beeinflusst. Manchmal wirkt es auf mich, als würde sie beobachten, wie er Grenzen ausprobiert, und sich ihren Teil denken.
Was genau in ihrem Kopf passiert, weiß ich natürlich nicht. Ihre schriftliche Stellungnahme steht noch aus.
An Tag 16 zeigt sie sich wieder von einer anderen Seite.
Odin fordert sie auf der Hundewiese zum Spielen auf. Zara, bisher oft die Sanfte, die lieber auf meinen Schoß springt, als sich durchzusetzen, hält selbstbewusst mit.
Sie rennt. Sie spielt. Sie hat sichtbar Freude daran.
Bei vierundzwanzig statt sechsunddreißig Grad wirkt sie wie ein anderer Hund.
Eine Beobachtung, die ich mir merke.
🐾 Was wir in Woche 2 gelernt haben
„Sitz“ wird langsam vertrauter.
Bevor die Leine angelegt wird. Bevor wir auf die Hundewiese gehen. An der Ampel.
Noch nicht immer. Noch nicht überall. Aber das Signal bekommt zunehmend eine Bedeutung für ihn.
Auch die kleinen Sprungübungen gehören zu unseren bisherigen Erfahrungen.
Zara springt bereits auf Signal über niedrige Pfosten – hin und zurück, anschließend mit angemessener Begeisterung über ihre eigene Leistung.
Odin hat es vor seiner Verletzung ein paarmal mit meiner Unterstützung ausprobiert und fand es offensichtlich spannend.
Für ihn muss jetzt allerdings die Erholung Vorrang haben. Mehr Energie bedeutet nicht automatisch, dass der Ellenbogen schon wieder belastbar ist. Wann Springen und wildes Spielen wieder passen, gehört mit dem Tierarzt abgestimmt.
Draußen verwenden wir zu diesem Zeitpunkt noch die Würgekette, wenn Odin stark auf andere Hunde reagiert.
Wie schon in Woche 1 gilt: Das ist Teil unseres ehrlichen Rückblicks, keine Empfehlung. Eine Würgekette kann Schmerzen und Verletzungen verursachen.
Mein Ziel bleibt, ihn ohne dieses Hilfsmittel sicher führen zu können. Dafür brauchen wir passende Bedingungen, Abstand zu Auslösern und fachkundige Unterstützung beim weiteren Training.
🐾 Wo wir jetzt stehen
Zwei Wochen.
Eine Verstauchung am Ellenbogen. Zwei Nächte mit Erbrechen. Ein kräftiger Hund, der sich besser fühlt und gleich wieder mehr von der Welt möchte.
Und trotzdem.
Er folgt mir durch den Tag. Wenn ich auf die Toilette gehe, wartet er vor der Tür.
Abends legt er sich neben mich auf seine Decke.
Nach schwierigen Momenten sucht er oft Kontakt. Damals deutete ich das als Wunsch nach Bestätigung: eine Berührung, ein Zeichen, dass zwischen uns alles in Ordnung ist.
Ob er dabei Sicherheit, Nähe oder etwas anderes sucht, kann ich nicht eindeutig sagen. Aber ich merke, wie wichtig unser Umgang miteinander ist.
Für mich ist er kein hoffnungsloser Fall.
Er ist ein Hund, dem viele Grundlagen fehlen. Einer, dessen Vergangenheit ich nur teilweise kenne. Und einer, mit dem wir jetzt Tag für Tag einen verständlicheren Alltag aufbauen.
Dabei lernt nicht nur Odin.
Nächste Woche geht es weiter.
Denn seine Geschichte hat gerade erst angefangen.
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🐕 Kein Wikipedia-Eintrag. Einfach unser Leben.
Das ist keine Trainingsanleitung. Es ist unser ehrliches Tagebuch über einen Hund, der eine zweite Chance verdient – und einen Menschen, der weiterlernt und nicht aufgibt. Woche für Woche. Schritt für Schritt.































