Silly Shepherds · Lesezeit ca. 7 Minuten
Es gibt Momente, bei denen du denkst: Das hätte ich vor vier Wochen niemals für möglich gehalten.
Odin. Unser schwarzer Gott, der mit einem Seil als Leine zu uns kam. Der Hund, der am ersten Tag beim Anblick einer Labradorhündin völlig ausrastete.
Dieser Hund legte diese Woche ein Stück Trockenfutter vor unserer Katze auf den Boden.
Einfach so. Aus seinem eigenen Napf.
Die Katze gab ihm einen Klaps auf die Nase. Odin fraß das Futterstück selbst und ging weiter, als wäre nichts gewesen.
Ob das wirklich ein Geschenk war, wissen wir natürlich nicht. Für uns sah es jedenfalls verdächtig danach aus.
Wir haben es gefilmt. Das Video behalten wir noch einen Moment für uns. Diese kleine Szene verdient ihren eigenen Auftritt.
🐾 Die Katze – eine neue Herausforderung
Tag 25.
In den vergangenen Wochen hatten Odin und unsere Katze sich täglich aus sicherer Entfernung gesehen. Odin hinter dem Fenster, die Katze auf der Fensterbank.
Zuletzt keine aufgestellten Haare, kein Bellen und kein buschiger Schwanz mehr.
Für uns war das ein Anlass, den nächsten Schritt vorsichtig auszuprobieren. Noch kein Beweis dafür, dass eine direkte Begegnung automatisch gutgehen würde.
Die Tür ging auf. Die Katze kam ins Wohnzimmer.
Ich sprach ruhig mit Odin. Und er blieb tatsächlich ruhig.
Sie beschnupperten sich. Anschließend setzte sich die Katze unter den Tisch und berührte seine Schnauze ein paarmal mit der Pfote. Vorsichtig, ohne sichtbare Krallen.
Vielleicht wollte sie Abstand. Vielleicht war es eine vorsichtige Kontaktaufnahme. Ich konnte es nicht eindeutig erkennen.
Für uns fühlte es sich an wie der Anfang einer Freundschaft.
Odin folgte ihr im Laufe des Tages immer wieder. Die Katze zog sich schließlich auf ihren Kratzbaum zurück und schlief.
Dabei müssen wir darauf achten, dass sein Interesse nicht zum ständigen Hinterherlaufen wird. Sie braucht ihre Ruhe und Rückzugsorte, die er nicht erreichen kann.
Und dann kam das Futterstück.
Tag 27. Odin nahm ein Stück Trockenfutter aus seinem Napf und legte es vor der Katze ab.
Seine Nase bewegte sich dazu so, dass ich beinahe eine Untertitelung erwartete: „Hier. Für dich.“
Die Katze: Klaps.
Odin: „Dann eben nicht.“
Er fraß es selbst.
Eine wunderbare kleine Szene. Trotzdem bleiben die Futterplätze getrennt. Aus einem lustigen Moment machen wir keinen Test, ob beide problemlos Futter teilen können.
Das ist derselbe Hund, der vier Wochen zuvor mit einem Seil als Leine zu uns kam.
🐾 Butter und Bowie – noch nicht bereit für jede Situation
Nicht alles war in dieser Woche rosig.
Das gehört genauso in dieses Tagebuch.
Tag 27 – Bowie
Bowie ist ein kleiner Hund, den Odin noch nicht kannte.
Er wollte den Kontakt nicht und lief weg.
Für Odin war das offenbar der Startschuss.
Er rannte hinterher. Für Bowie war es kein gemeinsames Spiel. Er versuchte, Abstand zu bekommen.
Odin reagierte nicht mehr auf mich. Ein anderer Hund unterbrach die Situation – nicht ich.
Das sagte genug: Unter dieser Ablenkung konnte ich ihn noch nicht zuverlässig zurückrufen.
Ich leinte ihn an und nahm ihn aus der Situation.
Die Aufgabe ist nicht, Bowie schneller laufen zu lassen oder darauf zu hoffen, dass ein anderer Hund eingreift. Ich muss solche Begegnungen früher absichern und Odin unter Bedingungen üben lassen, die er bewältigen kann.
Tag 30 – Butter
Odin sah Butter in der Ferne.
Ich rief ihn zurück.
Und er kam. Sofort.
Ich ging in die Hocke und belohnte ihn.
Dann drehte er sich um und lief doch noch zu Butter.
Ich war enttäuscht und ließ es ihn merken. Als ich ihn am Halsband hielt, erschrak er und fiepte.
Damals deutete ich das so: Er spürt meine Enttäuschung.
Aber ich kann nicht sicher sagen, warum er fiepte. Meine Reaktion, das Festhalten, seine Aufregung oder auch Unbehagen könnten eine Rolle gespielt haben.
Der Moment beweist nicht, dass er verstanden hatte, was ich von ihm wollte.
Die wichtigere Erkenntnis war: Er war zurückgekommen – aber ich hatte die Situation danach noch nicht ausreichend gesichert.
Zu mir kommen und anschließend bei mir bleiben sind zwei verschiedene Aufgaben.
Das war auch eine Lektion für mich.
🐾 Was diese Woche außerdem passiert ist
Tag 26 – Zara im Ruhemodus
Zara wirkt etwas zurückgezogen und weniger aufmerksam als sonst.
Vielleicht hängt das mit der Zeit nach ihrer Läufigkeit zusammen. Sicher wissen wir es nicht.
Wir beobachten sie weiter, statt die Veränderung einfach als selbstverständlich abzuhaken.
Ihre Stimmung scheint jedenfalls zu sagen: Heute bitte keine zusätzlichen Termine.
Tag 27 – Persönlicher Freiraum? Nie gehört.
Ein neues T-Shirt-Motiv zieht in unseren Shop ein:
Personal Space? Never Heard Of It.
Jeder Schäferhundmensch kennt das.
Du gehst in die Küche. Der Hund kommt mit.
Du gehst zurück. Der Hund kommt mit.
Du möchtest zwei Minuten für dich. Der Hund hält das offenbar für einen Planungsfehler.
Odin beherrscht dieses Prinzip inzwischen ebenfalls ziemlich gut.
Tag 28 – Celinas Geburtstag
Am Morgen sind wir mit Charlie und Garry auf der Hundewiese.
Odin ändert zum ersten Mal von sich aus die Richtung, bevor er direkt auf Charlie zuläuft.
Ein kleiner Moment. Für mich ein großes Zeichen.
Er scheint langsam andere Möglichkeiten auszuprobieren als seine bisherige Begrüßung mit voller Geschwindigkeit.
Tag 29 – Besuch von Julius
Meine Tochter kommt mit meinem Enkel Julius zu Besuch.
Odin nimmt gerne ein Leckerli an, bleibt durch die neue Situation aber deutlich aufgeregt.
Ein angenommenes Leckerli bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund sich wohlfühlt.
Wir möchten ihm Zeit geben, Menschen in seinem Tempo kennenzulernen. Dafür braucht er Abstand, Ruhe und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.
Gerade mit Julius ist unsere Aufgabe, die Begegnung sicher zu begleiten und keinen Kontakt zu erzwingen.
Wie schnell Odin dabei entspannter wird, lässt sich nicht versprechen.
Tag 30 – Spielen mit einem Weimaraner
Auf der Hundewiese spielt Odin mit einem Weimaraner.
Auf mich wirkt es zum ersten Mal wie ein wirklich gemeinsames Spiel: Beide machen mit, statt dass einer nur hinter dem anderen herläuft.
Das ist schön zu sehen.
Ein Moment, den ich mir gerne merke.
Tag 31 – Garry, Zara und ein gemeinsamer Stock
Mit Garry läuft es inzwischen ruhiger.
Odin sucht ihn nicht mehr ständig auf.
Seine überschüssige Energie richtet sich nun häufiger auf Zara. Da muss ich begleiten und unterbrechen, wenn es ihr zu viel wird. Sie möchte nicht jedes Mal raufen, nur weil Odin gerade seine nächste Sporteinheit eröffnet.
Später beschäftigen sie sich gemeinsam mit einem Stock.
Für einen Moment entsteht daraus ein Spiel, an dem beide beteiligt wirken.
Auch das zählt als Fortschritt.
🐾 Vier Wochen – was wir bisher gelernt haben
Vier Wochen.
Die 3-3-3-Regel war für mich eine grobe Orientierung: ankommen, sich eingewöhnen, langsam vertrauter werden.
Odin hält sich natürlich nicht an einen Kalender. Und nach vier Wochen ist seine Eingewöhnung keineswegs abgeschlossen.
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass zwischen den vielen neuen Erfahrungen ein Alltag entsteht.
Er folgt mir weiterhin durch den Tag. Wenn ich auf die Toilette gehe, wartet er vor der Tür.
Abends liegt er neben mir auf seiner Decke.
Nach schwierigen Momenten sucht er häufig Kontakt. Einen Blick. Eine Berührung.
Ich habe das oft als Suche nach Bestätigung verstanden. Vielleicht braucht er vor allem Sicherheit und einen Menschen, dessen Reaktionen für ihn verständlicher werden.
Für mich ist er kein hoffnungsloser Fall.
Er ist ein Hund, der gerade lernt, sich in seinem neuen Zuhause zurechtzufinden.
Und ich bin der Mensch, der lernen muss, ihm dabei besser zu helfen.
Die Katze?
Die schläft auf ihrem Kratzbaum.
Sie hat zumindest für heute beschlossen, dass wir unsere Lernfortschritte ohne ihre weitere Beteiligung organisieren können.
Neugierig auf das Video von Odin und unserer Katze? Das kommt noch. Folge uns auf YouTube, TikTok, Instagram und Facebook, damit du es nicht verpasst.
🐕 Kein Wikipedia-Eintrag. Einfach unser Leben.
Das ist keine Trainingsanleitung. Es ist unser ehrliches Tagebuch über einen Hund, der eine zweite Chance verdient – und einen Menschen, der weiterlernt und nicht aufgibt. Woche für Woche. Schritt für Schritt.






























