Silly Shepherds · Lesezeit ca. 11 Minuten
Manche Menschen schauen uns etwas überrascht an, wenn wir erzählen, welche Tiere im Laufe der Jahre bei uns gelebt haben.
Schäferhunde. Katzen. Frettchen. Ein Graupapagei. Kleine Vögel. Ein Berner Sennenhund. Meerschweinchen in einem sicher abgeschlossenen Außengehege.
Und Lio, unsere Katze, deren Name von Lilo & Stitch inspiriert ist. Vor vier Wochen lernte sie Odin kennen. Inzwischen sitzen die beiden manchmal nebeneinander auf dem Sofa.
Fast dreißig Jahre mit Schäferhunden. Keiner unserer Hunde hat jemals ein anderes Haustier schwer verletzt.
Wir glauben, dass unsere Begleitung dazu beigetragen hat.
Aber jede Kombination ist anders. Gute Erfahrungen aus der Vergangenheit bieten keine Garantie. Das möchten wir vorweg deutlich sagen – gerade weil einige unserer Geschichten rückblickend riskanter waren, als uns damals bewusst war.
Wovon hängt es ab, ob das Zusammenleben funktioniert?
Viele Deutsche Schäferhunde reagieren aufmerksam auf Bewegung. Manche zeigen eine ausgeprägte Neigung, andere Tiere zu fixieren oder zu verfolgen.
Wie stark dieses Verhalten ist, unterscheidet sich von Hund zu Hund. Veranlagung, Erfahrungen und bisheriges Lernen spielen dabei eine Rolle.
Jagdverhalten ist nicht dasselbe wie aggressives Verhalten aus Angst oder Konflikt.
Ein Hund kann lernen, sich in der Nähe vertrauter Haustiere ruhig zu verhalten. Das bedeutet aber nicht, dass seine Neigung zum Hinterherjagen vollständig verschwunden ist.
Eine schnelle, unerwartete Bewegung kann auch nach längerer Zeit eine Reaktion auslösen. Deshalb gehören Beobachtung und passende Sicherung weiterhin dazu. Dogs Trust
Genau daran arbeiten wir gerade mit Odin.
Schadow – die Hündin, die ihr Zuhause teilte
Schadow war unser erster Schäferhund.
Sie teilte ihr Zuhause mit vier Katzen meiner damaligen Partnerin, Frettchen und Vögeln. Darunter ein Graupapagei mit einer ziemlich eigenen Vorstellung von Hausordnung.
Besonders die Frettchen waren bemerkenswert.
Klein, schnell und mit einem Geruch, der einem Hund vermutlich sehr viel zu erzählen hat.
Bei Schadow gab es keine Zwischenfälle.
Der Graupapagei ging sogar regelmäßig in ihr Körbchen. Schadow ließ ihn gewähren.
Heute betrachten wir das vorsichtiger.
Ein großer Hund kann einen Vogel innerhalb eines Augenblicks schwer verletzen – auch ohne einen bewusst aggressiven Angriff.
Dass es bei Schadow gut ging, ist deshalb keine Empfehlung, einen Vogel frei ins Hundekörbchen klettern zu lassen.
Unsere Ruhe konnte Situationen erleichtern. Sie bestimmte aber nicht zuverlässig, wie Schadow in jedem einzelnen Moment reagieren würde.
Auch schöne Erinnerungen darf man mit etwas Abstand neu bewerten.
Ayla – die Queen mit Mitbewohnerinnen
Ayla war anders als Schadow.
Eigenständiger. Weniger für ausgedehnte Kuschelrunden zu haben.
Stöcke, Bälle und Wasser hatten bei ihr einen festen Platz auf der Prioritätenliste.
Trotzdem lebte auch sie mit anderen Tieren zusammen.
Fey, der Berner Sennenhund unserer Stieftochter, wurde bei uns groß. Zwei große Hunde, ein Haus. Das brauchte Struktur, eigene Ruheplätze und Begleitung.
Es funktionierte gut.
Später kam Zara als Welpe dazu. Ayla war schon älter, Zara voller Energie.
Die beiden brauchten Zeit, um ihren gemeinsamen Alltag zu finden.
Wir begleiteten das. Ayla hatte keinen unbegrenzten Welpenbetreuungsvertrag unterschrieben.
Zara und der Sperlingspapagei – eine Geschichte, die anders hätte enden können
Diese Geschichte erzählen wir als Warnung.
Zara schnappte einmal nach einem kleinen Sperlingspapagei, einem Forpus, und ließ glücklicherweise sofort wieder los.
Wir sahen keine Verletzung.
Das hätte trotzdem schwerwiegende Folgen haben können.
Ob es Erkundungs-, Spiel- oder Jagdverhalten war, können wir nicht sicher sagen. Für die notwendige Sicherheitsmaßnahme ist das auch nicht entscheidend.
Ein großer Hund und ein kleiner Vogel sollten keinen direkten, ungesicherten Kontakt haben.
Nach einem Biss oder Zuschnappen gehört ein Vogel umgehend in eine vogelkundige Tierarztpraxis. Unter den Federn können Verletzungen verborgen bleiben. „Ich sehe nichts“ ist keine verlässliche Entwarnung.
Später setzte sich der Vogel sogar auf Zaras Rücken und suchte ihre Nähe.
Das machte die Situation nicht automatisch sicher.
Es sagte vor allem etwas darüber aus, was dieser Vogel gerade tat.
Auch unsere erste Begegnung zwischen Zara und Lio würden wir heute anders gestalten.
Die beiden sahen sich zum ersten Mal, als Lio noch in ihrer Transporttasche saß. Lio fauchte. Zara erschrak und bellte.
Für die Katze gab es dabei keine Möglichkeit, selbst Abstand zu nehmen.
Heute liegen sie zusammen auf dem Sofa. Das verdanken wir der Zeit danach, nicht dieser ersten Begegnung.
Für eine neue Katze ist ein eigener, zunächst abgeschlossener Raum der bessere Start: mit Futter, Wasser, Katzenklo, Ruheplätzen und Versteckmöglichkeiten. Danach können Gerüche ausgetauscht und kurze Sichtkontakte durch eine sichere Barriere vorbereitet werden. Cats Protection
Odin und Lio – vier Wochen gemeinsames Lernen
Bei Odin war die Ausgangslage anders.
Er ist fast zwei Jahre alt und hatte zuvor nicht mit einer Katze zusammengelebt.
Wir begannen mit Abstand und einer Glasscheibe zwischen beiden. Odin sah Lio auf der Fensterbank. Die Einheiten blieben kurz.
Wenn er fixierte, erstarrte, fiepte oder sich deutlich nach vorne verlagerte, vergrößerten wir den Abstand.
Entspanntes Wegschauen und die Orientierung zu uns belohnten wir.
Dabei reicht es nicht, nur darauf zu achten, ob ein Hund bellt oder die Haare aufstellt.
Wir beobachteten auch:
- langes, starres Anschauen;
- Anschleichen oder Erstarren;
- hohe Körperspannung;
- deutlich nach vorne verlagertes Gewicht;
- fehlende Reaktion auf Ansprache;
- Versuche, Lios Weg abzuschneiden oder ihr zu folgen.
Nach gut zwei Wochen sahen wir diese Anspannung in den begleiteten Situationen nicht mehr.
Dann folgten kurze Begegnungen im selben Raum.
Odin blieb an einer lockeren Leine. Lio konnte Abstand wählen. Es gab erhöhte Plätze und mehrere Rückzugswege.
Wir verhinderten, dass Odin ihr folgte oder einen Ausgang blockierte.
An Tag 25 saß Lio unter dem Tisch und berührte seine Schnauze vorsichtig mit der Pfote, ohne Krallen.
Das kann auch eine Aufforderung sein, Abstand zu halten. Wir deuteten es deshalb nicht automatisch als freundliches Spiel.
Odin blieb ruhig.
An Tag 27 nahm er ein Futterstück aus seinem Napf und legte es in Lios Nähe ab.
Was er damit meinte?
Wir wissen es nicht.
Es wäre leicht, daraus eine kleine Freundschaftsgeschichte zu machen. Aber wir können nicht in seinen Kopf schauen.
Wir sorgten anschließend dafür, dass die beiden nicht gemeinsam am Napf standen. Futter kann auch zwischen Tieren, die sonst gut miteinander leben, Konflikte auslösen.
Darum füttern wir sie getrennt.
Draußen ist eine andere Geschichte
Was im Wohnzimmer funktioniert, gilt nicht automatisch draußen.
Odin entdeckt Katzen unter Autos, bevor ich sie überhaupt bemerkt habe.
Draußen gibt es mehr Bewegung, mehr Gerüche und mehr Ablenkung.
Bei fremden Katzen verlassen wir uns deshalb auf Abstand und Sicherung. Auch wenn das Training weiter vorankommt.
Das ist keine gescheiterte Freundschaft mit Lio.
Es ist eine andere Situation.
Ein Hund kann eine vertraute Katze zu Hause akzeptieren und draußen trotzdem andere Katzen verfolgen wollen. Dogs Trust
Beides muss man im Blick behalten.
Wie gestaltest du eine sichere Zusammenführung?
Unsere Erfahrungen haben uns viel gezeigt.
Auch darüber, was wir heute anders machen würden.
Erst Gerüche, dann Sichtkontakt
Bei Hund und Katze beginnen wir mit getrennten Bereichen und Gerüchen, beispielsweise über Decken.
Erst wenn beide entspannt sind, folgt kurzer Sichtkontakt mit genügend Abstand und einer sicheren Barriere.
Ein Transportbehälter mit einem eingeschlossenen Tier ist kein guter Ort für einen erzwungenen direkten Kontakt. rspca.org.uk
Sichere Rückzugswege schaffen
Eine Katze braucht nicht nur einen hohen Kratzbaum, sondern Bereiche, in denen sie wirklich ungestört sein kann.
Futter, Wasser und Katzenklo müssen erreichbar bleiben, ohne am Hund vorbeizumüssen.
Eine Katze, die ständig oben sitzt, weil unten ein Hund wartet, lebt noch nicht entspannt mit ihm zusammen. Cats Protection
Ruhe und Abwenden belohnen
Es geht nicht darum, wie lange dein Hund die Katze anschauen kann.
Belohne auch Wegschauen, ruhiges Schnüffeln, die Reaktion auf seinen Namen und freiwilliges Abstandnehmen.
Wird er starr, verfolgt das andere Tier oder ist kaum noch ansprechbar, ist die Situation zu schwierig. Vergrößere den Abstand oder beende die Begegnung. APBC
Kurz und schrittweise vorgehen
Mehrere kurze, ruhige Einheiten sind besser als eine lange Begegnung, die irgendwann kippt.
Beende den Kontakt, solange beide noch entspannt sind.
Ein gemeinsames Sofa ist kein Trainingsziel für Freitag um 17 Uhr.
Bei fehlender Aufsicht trennen
In der Kennenlernphase bleiben Hund und Katze getrennt, wenn du nicht aufmerksam begleiten kannst.
Ob unbeaufsichtigtes Zusammenleben später vertretbar ist, hängt von beiden Tieren und einem langfristig stabilen Verlauf ab. Es gibt keine feste Zahl von Wochen, nach der automatisch alles sicher ist.
Im Zweifel bleibt die Trennung bestehen und ihr holt fachkundige Hilfe.
Vögel und kleine Säugetiere halten wir grundsätzlich durch sichere räumliche Trennung vom Hund geschützt.
Ein Käfig allein reicht möglicherweise nicht: Ein großer Hund kann ihn umstoßen oder durch Gitterstäbe an das Tier gelangen. Ein separat abgeschlossener Raum bietet zusätzliche Sicherheit.
Ruhig bleiben – und trotzdem sichern
Deine Ruhe kann helfen.
Sie ersetzt keine Tür, keine Leine und keinen passenden Abstand.
Verlass dich auf das Verhalten beider Tiere und auf zuverlässige Sicherung.
Große Tiere draußen – Schafe, Pferde und Wild
Odin begegnet bei Spaziergängen regelmäßig Schafen und Pferden.
Das ist noch einmal etwas anderes als Lio im Wohnzimmer.
Bei der ersten Begegnung waren wir zu nah. Ich musste ihn aus der Situation führen.
Danach begannen wir mit mehr Abstand – bevor er stark fixierte oder zog.
Nur solange er noch aufmerksam und ansprechbar bleibt, können wir sinnvoll ruhiges Verhalten üben.
Bei Schafen und Pferden verwenden wir eine stabile Leine und ein gut sitzendes Geschirr.
Wir halten großzügigen Abstand. Kein Kontakt durch oder unter dem Zaun. Kein Nähergehen, wenn er bereits bellt oder sich stark anspannt.
Ein erschrockenes Pferd kann sich selbst, seinen Reiter und den Hund verletzen.
Beim Vorbeigehen bleiben wir ruhig, halten Abstand und führen Odin kontrolliert, ohne an der Leine zu rucken.
Wildtiere sind ebenfalls keine Trainingspartner.
Rehe, Hasen und Dachse brauchen keinen Schäferhundbesuch.
In entsprechenden Gebieten sichern wir Odin mit einer Leine oder einer geeignet eingesetzten Schleppleine. Wir verhindern Verfolgungen und lassen ihn keine Tiere bis zu ihren Verstecken suchen. Dogs Trust
Den Dachs, den er an Tag 9 und Tag 14 sah, hat er offenbar gut abgespeichert. Abends interessieren ihn die Büsche dort weiterhin sehr.
Das heißt für uns: aufmerksam bleiben.
Die Neigung, Bewegung zu verfolgen, kann bestehen bleiben, auch wenn ein Hund im Alltag Fortschritte macht.
- Odins Tagebuch – Woche 4
- Die erste Woche mit einem Schäferhundwelpen
- Der Deutsche Schäferhund und Kinder
Zusammenfassung – der Deutsche Schäferhund und andere Haustiere
- Zusammenleben kann funktionieren, ist aber nicht automatisch sicher.
- Charakter, Vorgeschichte und Jagdverhalten unterscheiden sich von Hund zu Hund.
- Gute frühere Erfahrungen bieten keine Garantie für die nächste Begegnung.
- Beginne bei Hund und Katze mit getrennten Bereichen und Geruchsgewöhnung.
- Gestalte Sichtkontakte kurz, mit Abstand und sicheren Barrieren.
- Gib der Katze ungestörte Bereiche und mehrere Rückzugswege.
- Belohne entspanntes Verhalten und das Abwenden vom anderen Tier.
- Was zu Hause funktioniert, muss draußen nicht funktionieren.
- Vögel und kleine Säugetiere brauchen sichere körperliche Trennung vom Hund.
- Bei Fixieren, Verfolgen oder fehlender Ansprechbarkeit: trennen und qualifizierte Hilfe holen.
- Nicht jede Tierkombination muss frei miteinander leben können.
Leben dein Schäferhund und deine Katze zusammen? Oder denkst du darüber nach, ein weiteres Tier aufzunehmen? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!
Folge uns auf YouTube, TikTok und Instagram für regelmäßige Einblicke in das Leben mit Zara, Odin und Lio.
🐕 Erfahrung, ohne die Fakten zu vergessen
Frettchen, Papageien, Katzen, Meerschweinchen, ein Berner Sennenhund und Lio. Fast dreißig Jahre mit Schäferhunden und anderen Haustieren. Persönliche Erfahrungen benennen wir als solche – auch dann, wenn wir rückblickend etwas anders machen würden. Und wenn etwas nicht sicher ist, sagen wir das auch.




























