Silly Shepherds · Lesezeit ca. 6 Minuten
Donnerstagmorgen. Vor dem Tor zur Hundewiese.
Odin weiß genau, was dahinter liegt.
Rennen. Zara hinterher. Noch eine Runde. Und bloß nicht warten.
Aber wir beginnen diesen Morgen mit etwas Kleinem.
Kurz hinsetzen. Kurz bleiben.
Zwei Sekunden klappt es.
Bei drei ist der Herr schon wieder unterwegs.
Nach fast drei Monaten zusammen fangen wir langsam an, etwas mehr zu üben. Und diese ersten paar Sekunden vor einem Tor sagen mir schon genug.
Wir haben es nicht eilig. Aber noch genug zu tun.
🐾 Montag — Zara bekommt kaum eine Pause
Am Montag konnten die beiden auf unserem langen Spaziergang nach Herzenslust frei laufen. Es war ruhig und es gab genug Platz.
Odin nutzte das ausgiebig.
Allerdings blieb er auch ständig hinter Zara her. Toben, sie zum Spielen auffordern, dicht an ihr dranbleiben. Sie bekam kaum Gelegenheit, zwischendurch ihr eigenes Ding zu machen.
Gemeinsames Spielen ist schön anzusehen. Aber wenn einer einfach nicht aufhört, muss ich auch schauen, ob es dem anderen noch Spaß macht.
Was mir dabei auffiel: Odin behielt mich ständig im Blick.
Wo bin ich? Was mache ich? Reagiere ich?
Das war am Anfang durchaus anders. Jetzt sah ich, wie er beim Rennen immer wieder zu mir schaute.
Noch immer ein Hund voller Energie. Aber einer, der immer öfter kurz nachsieht, wo ich bin.
Das sind diese kleinen Dinge, die einem erst auffallen, wenn man jeden Tag zusammen unterwegs ist.
🐾 Eine ganz normale Woche, mit immer mehr Wind
Die Morgen begannen meistens auf der Hundewiese. Garry war oft schon da.
Kurz rennen, kurz spielen und danach weiter über die Heerlerbaan.
Dazwischen die kleine Mittagsrunde. Gegen fünf wieder länger raus. Und spät am Abend noch einmal.
Dieser Rhythmus bleibt. Auch wenn das Wetter andere Vorstellungen hat.
Am Mittwoch gingen wir etwas später als sonst zum Wald. Ich hatte mir vorher mit Stella ein Fahrrad angeschaut. Das war nichts, also ging es danach direkt mit den Hunden weiter.
Inzwischen war es dunkel und ziemlich windig.
Es lagen einige umgestürzte Bäume herum. Da schaut man plötzlich anders auf einen vertrauten Weg. Der Wald konnte warten, bis es wieder ruhiger war.
Auch auf der späten Runde nahm der Wind weiter zu.
Immerhin war es noch trocken.
Das fühlte sich in dieser Woche schon fast wie Luxus an.
🐾 Donnerstag — ruhig ansprechen hilft mehr
Am Tor zur Hundewiese übten wir das Warten.
Für Odin war das schwierig. Er wollte hinein und hatte wenig Geduld für meinen neuen Zwischenstopp.
Als ich ihn zurückrief, sah ich, wie er erschrak.
Das geht mir immer noch nahe. Ich verlange etwas von ihm und sehe an seiner Reaktion, dass die Art, wie ich es gerade tue, zu viel für ihn ist.
Warum er so reagiert, kann ich nicht genau wissen. Was ich aber sehe: Meine Stimme macht einen Unterschied.
Ihn ruhiger anzusprechen half.
Schließlich schaffte er es, etwas länger sitzen zu bleiben. Danach musste trotzdem erst einmal die ganze Energie raus. Auf der Wiese war er aufgedreht, blieb hinter Zara her und kam nur schwer zur Ruhe.
Beim Verlassen der Wiese stieß Odin gegen jemanden. Die Person blieb zum Glück auf den Beinen.
Da musste ich eingreifen. Ich wollte Odin bei mir haben und ihn anleinen.
Mein erster, strenger Ruf half nicht. Wieder sah ich, wie er erschrak.
Also ruhiger.
Dann kam er, und ich konnte ihn anleinen.
Eine Grenze bleibt eine Grenze. Beinahe jemanden umzulaufen geht nicht. Aber ich möchte auch, dass Odin sich traut, zu mir zu kommen.
An diesem Morgen musste ich also mindestens genauso gut auf mich selbst achten wie auf ihn.
🐾 Freitag — nasse Hunde und ein verärgerter Mensch
Am Freitagabend ging es richtig los.
Sturm. Regen. Und laut Regenradar vorerst kein Ende in Sicht.
Darauf zu warten, dass es trocken wurde, hatte wenig Sinn. In den Wald wollten wir bei diesem Wind auch nicht. Also entschieden wir uns für eine offene Wiese, auf der sie rennen konnten.
Und das taten sie.
Spielen, hintereinander herjagen und ganz offensichtlich Spaß haben. Während ich da in diesem Wetter stand, amüsierten sich die beiden bestens.
Zu Hause kam der nächste Programmpunkt: unter dem Vordach trocken föhnen.
Odin ließ sich das gut gefallen. Als er fertig war, öffnete ich die Tür, damit er hineingehen konnte.
Zara sah ihre Chance.
Ich will auch rein, muss sie gedacht haben.
Nur war sie noch nass. Sehr nass.
Zurückrufen half nicht, und drinnen wurde inzwischen alles schmutzig. Ich wurde wütend, packte ihre Leine fester als nötig und zog sie wieder mit nach draußen.
Das war kein schöner Moment von mir.
Auch das gehört in ein ehrliches Tagebuch. Ich schreibe gerne über Geduld und Ruhe. Aber ich habe beides selbst auch nicht jederzeit ordentlich auf Vorrat.
Zurück beim Hundeföhn entspannte sich Zara. Gegen Ende stellte sie sich sogar richtig dafür hin.
Besonders am Bauch genießt sie es.
Ein schiefer Blick. Die Zunge halb draußen.
Sie genoss es schon wieder. Ich dachte noch eine Weile über meine eigene Reaktion nach.
🐾 Samstag — einfach mal zwei spielenden Hunden zuschauen
Am Samstag kam Stella auf der Mittagsrunde mit.
Gegen Ende fing Zara an, Odin zum Spielen aufzufordern. Es war genug Platz, also ließ ich ihn auch kurz von der Leine.
Eine Viertelstunde rennen und spielen.
Das sehe ich gerne. Zwei Hunde, die den Kontakt zueinander suchen, hintereinander herlaufen und gemeinsam beschäftigt sind.
Nach all den Momenten, in denen ich aufpassen, zurückrufen oder die Leinen festhalten muss, ist es schön, auch einfach mal dazustehen und zuzuschauen.
Später am Tag wurde es während einer Regenpause plötzlich voll draußen. Alle schienen dasselbe zu denken: Jetzt geht es gerade.
Also blieben die Hunde bei mir, und wir gingen den Rest unserer Runde an der Leine.
Fast trocken nach Hause gekommen.
Für diese Woche ein prima Ergebnis.
🐾 Sonntag — Schlamm, Löcher und ein alter Bekannter
Am Sonntagmorgen waren Garry und Sem auf der Wiese.
Sem kannte noch Ayla. Zara mag ihn sehr und sucht gerne seine Nähe. Für Odin war er weniger vertraut, also schaute ich erst einmal, wie es lief.
Das klappte gut.
Wir blieben nicht lange. Die Wiese war vom vielen Regen ziemlich matschig und außerdem voller gebuddelter Löcher.
Darüber kann ich mich ärgern.
Ich habe diese Löcher früher schon mehrmals selbst wieder zugemacht. Andere auch. Das ist viel Arbeit, und manchmal ist kurz darauf schon wieder alles aufgebuddelt.
Wenn dann noch Pfützen darüberstehen, sieht man kaum, wohin man tritt. Das ist weder für Menschen noch für Hunde angenehm.
Wir teilen uns diese Wiese. Da möchte man doch auch, dass andere sie sicher nutzen können.
Ein Loch kurz wieder zuzumachen, nachdem der eigene Hund gebuddelt hat, würde schon so viel helfen.
Wir blieben an diesem Morgen nicht lange und gingen über die Heerlerbaan nach Hause.
🐾 Zwölf Wochen — wir lernen beide weiter
Am Sonntag gegen Abend fuhren wir zum Freilaufgebiet bei Cranenbroek in Landgraaf.
Regen und Wind. Wenige Menschen. Viel Platz für die Hunde.
Die Uhren waren auf Winterzeit umgestellt worden, also wurde es noch früher dunkel. Die Leuchthalsbänder mussten mit.
Odin hatte noch mehr als genug Energie. Zara ließ sich auf das Spiel ein.
Diese Woche hat mir vor allem gezeigt, wie vieles gleichzeitig da sein kann.
Odin, der beim Rennen öfter nach mir schaut. Der vor einem Tor kaum warten kann. Der bei einer strengen Stimme erschrickt und zu mir kommt, wenn ich ihn ruhig rufe.
Und ich, der ihm beibringen möchte, ruhiger zu werden, am Freitag aber selbst die Geduld verlor.
Wir sind seit zwölf Wochen zusammen.
Wir werden vertrauter miteinander. Wir kennen immer mehr von den Gewohnheiten des anderen. Aber dadurch ist nicht plötzlich alles klar oder einfach.
Also machen wir mit kleinen Momenten weiter.
Kurz warten. Ruhig ansprechen. Rechtzeitig unterbrechen.
Und dazwischen Platz lassen für zwei Hunde, die durch das nasse Gras hintereinander herflitzen.
Nach der letzten Runde zu Hause noch kurz trocken föhnen.
Danach hatten wir alle genug für diesen Tag.
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🐕 Kein Wikipedia. Einfach wir.
Das ist unser ehrliches Tagebuch über Odin und das Leben mit unseren Hunden. Was gut läuft, was schwierig bleibt und was wir unterwegs lernen. Woche für Woche. Schritt für Schritt.
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