Silly Shepherds · Lesezeit ca. 10 Minuten
Sie saß auf der Rückbank. Zwölf Wochen alt. Noch nie so weit von zu Hause entfernt gewesen.
Und sie wimmerte. Nicht laut, nicht dramatisch. Sondern dieses leise, herzzerreißende Welpenwimmern, wenn Mama, Geschwister und alles Vertraute plötzlich verschwunden sind. Die ganze Fahrt vom Züchter im Norden der Niederlande bis nach Kerkrade. Über zwei Stunden. Jede Minute davon war zu hören.
Wir hatten sogar ein eigenes Wort dafür: „Junken“. Halb Jammern, halb Heimweh. Natürlich war sie nicht wirklich auf Entzug. Aber für uns fühlte es sich ein bisschen so an. Ihre vertraute Welt war innerhalb einer einzigen Autofahrt verschwunden.
Zu Hause wartete Ayla.
Und Ayla war bereit, um … Zara vollständig zu ignorieren. Keine Begrüßung. Kein interessiertes Beschnuppern. Keine mütterlichen Gefühle. Einfach: Du existierst für mich nicht.
Bei Ayla dauerte es fast zwei Monate, bis sie von sich aus mehr Kontakt suchte. Das war ihr Tempo. Manche Hunde werden enge Freunde, andere leben vor allem friedlich nebeneinander. Beides kann völlig in Ordnung sein.
Aber in dieser ersten Woche? Da hatte Zara erst einmal nur uns.
Uns. Und eine vollkommen neue Welt.
Das haben wir dabei gelernt. Nicht aus einem Buch. Sondern aus unserer ersten Woche mit Zara.
Wann holst du deinen Welpen ab? Das Alter spielt eine Rolle
Zara war zwölf Wochen alt, als wir sie abholten. Das funktionierte bei ihr gut, auch weil sie bei einem engagierten Züchter aufgewachsen war.
Für unsere Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist wichtig: Die gesetzlichen Mindestgrenzen sind nicht überall gleich formuliert. In Deutschland und Österreich dürfen Welpen grundsätzlich erst im Alter von über acht Wochen von ihrer Mutter getrennt werden. In der Schweiz liegt die Mindestgrenze bei 56 Tagen. Für besondere Ausnahmen gelten eigene Voraussetzungen. Tierschutz-Hundeverordnung
Das gesetzliche Mindestalter ist allerdings noch keine Antwort auf die Frage, wann genau dein Welpe umziehen sollte. Eine perfekte Abholwoche für jeden Welpen und jeden Wurf gibt es nicht.
Mehr Zeit bei Mutter und Geschwistern kann wertvolle Erfahrungen im Umgang mit anderen Hunden ermöglichen. Aber länger beim Züchter zu bleiben ist allein noch kein Qualitätssiegel.
Die ersten Lebensmonate sind für die Sozialisation besonders wichtig. Frag deshalb, was der Welpe beim Züchter tatsächlich kennenlernt: Menschen, Kinder, Haushaltsgeräusche, Verkehr, unterschiedliche Untergründe, Pflege und die Welt außerhalb des Welpenbereichs. blv.admin.ch
Zwölf Wochen im Kalender sind nicht automatisch zwölf Wochen Lebenserfahrung.
Besprich den Abholzeitpunkt mit dem Züchter. Schau auf die Entwicklung des Welpen und darauf, wie er auf sein späteres Leben vorbereitet wird.
Die Autofahrt nach Hause – der erste echte Moment
Diese Fahrt wird leicht unterschätzt.
Für den Welpen ist es möglicherweise das erste Mal ohne Mutter und Geschwister. Stattdessen sitzt da ein fremder Mensch. Und drumherum bewegt sich eine Blechkiste, die Geräusche macht und nach Dingen riecht, die er noch nie gerochen hat.
Willkommen im Auto. Aus Welpensicht ein ziemlich fragwürdiges Konzept.
Transportiere deinen Welpen sicher in einer geeigneten, gesicherten Transportbox oder mit einem passenden Sicherheitsgeschirr und dem dafür vorgesehenen Befestigungssystem. Jemand kann daneben sitzen und ihm Ruhe vermitteln. Während der Fahrt gehört er aber nicht ungesichert auf den Schoß.
Nimm außerdem Handtücher, Wasser und etwas zum Saubermachen mit. Einem Welpen kann übel werden. Und seine Blase liest keine Reiseplanung.
Was außerdem helfen kann:
Ein Tuch mit vertrautem Geruch.
Frag den Züchter, ob ein Tuch vorher bei der Mutter oder im Nest liegen kann. Dieser vertraute Geruch kann während der Fahrt und in den ersten Nächten etwas Sicherheit geben.
Eine zweite Person am Steuer.
Wenn jemand anderes fährt, kannst du hinten beim Welpen sitzen. Nicht, um ihn ungesichert festzuhalten, sondern einfach, um da zu sein. Eine ruhige Stimme und deine Nähe können helfen.
Eine möglichst ruhige Fahrt.
Keine laute Musik. Vorausschauend fahren, abrupte Manöver möglichst vermeiden. Der Welpe braucht gerade kein zusätzliches Unterhaltungsprogramm.
Wimmern auf der ersten Fahrt ist nicht ungewöhnlich. Der Welpe kann unsicher, müde, überfordert oder reisekrank sein. Bleib ruhig, aber prüfe auch, ob ihm zu warm ist, er eine Toilettenpause braucht oder ihm übel wird.
Zu Hause – die ersten Stunden
Die Versuchung ist groß, den Welpen sofort der ganzen Welt vorzustellen.
Die Kinder wollen kuscheln. Die Nachbarn möchten kurz schauen. Die Familie hat bereits Nachrichten geschickt.
Der Welpe selbst hat vermutlich nichts davon bestellt.
Verschiebe den großen Empfang.
Die ersten Stunden gehören ihm. Nicht deinem Besuchsplan.
Lass ihn einen ruhigen, welpensicheren Raum in seinem eigenen Tempo erkunden. Gib ihm innerhalb dieses begrenzten Bereichs Wahlmöglichkeiten und behalte ihn im Blick.
Setz dich auf den Boden und lass ihn zu dir kommen. Kinder dürfen natürlich dabei sein, sollten aber ruhig bleiben und den Welpen selbst entscheiden lassen, ob er Kontakt möchte.
Bei uns kam noch ein weiterer Faktor dazu: Ayla.
Ein Hund, der bereits im Haus lebt, garantiert keinen begeisterten Empfang. Ayla ignorierte Zara in der ersten Woche vollständig. Keine Aggression. Eher eine sehr konsequente Form von: Ich sehe hier keinen zweiten Hund.
Für uns war das zunächst eine Erleichterung. Kein Konflikt, kein Gedränge. Zwei Hunde, die nebeneinander existierten, bis Ayla bereit für mehr Kontakt war.
Hast du bereits einen Hund? Erwarte keine Liebe auf den ersten Blick. Begleite das Kennenlernen trotzdem aufmerksam.
Wenn es für beide passt, kann eine erste Begegnung draußen an einem ruhigen, sauberen Ort sinnvoll sein. Halte die Leinen locker und geht gegebenenfalls zunächst ein Stück in dieselbe Richtung. Erzwinge kein direktes Nase-an-Nase-Treffen.
Auch drinnen brauchen beide deine Unterstützung:
- Räume Futter, Kauartikel und besonders begehrtes Spielzeug zunächst weg.
- Gib jedem Hund einen eigenen Rückzugsort.
- Verhindere, dass der Welpe den älteren Hund ständig bedrängt.
- Lass beide anfangs nicht unbeaufsichtigt zusammen.
- Unterbrich die Situation ruhig, wenn einer angespannt wirkt oder nicht ausweichen kann.
Weil ein junger Welpe möglicherweise noch keinen vollständigen Impfschutz hat, sollte der Treffpunkt keine stark frequentierte Hundewiese sein. Besprich geeignete Kontakte und Orte bei Bedarf mit deiner Tierarztpraxis.
Die erste Nacht – Hundebox oder Schlafzimmer?
Das ist eines der großen Diskussionsthemen unter frischgebackenen Welpenmenschen.
Und selbstverständlich hat jeder eine Meinung.
Wir auch. Allerdings vor allem darüber, was bei uns funktioniert hat.
Zara schlief die ersten drei Wochen im Schlafzimmer. Bei uns. Nicht im Bett, sondern in einer Hundebox daneben. Sie konnte uns hören und riechen. Wir waren da.
War das eine durchdachte pädagogische Entscheidung? Teilweise.
Ehrlich gesagt war es auch praktisch: Wenn ein Welpe nachts rausmuss, hilft es, das rechtzeitig mitzubekommen. Vorzugsweise vor dem Geräusch, bei dem man plötzlich sehr wach wird.
Gewöhne deinen Welpen behutsam an die Box und verknüpfe sie mit angenehmen Erfahrungen. Sie darf keine Strafe sein und ersetzt weder Bewegung noch Nähe oder einen passenden Tagesablauf.
Ein Welpe, der anhaltend weint, kann rausmüssen oder wirklich Angst haben. Schau nach, was er braucht. Lass ihn nicht einfach lange weinen, in der Hoffnung, dass er irgendwann aufgibt.
Nach etwa drei Wochen hatte Zara einen Rhythmus gefunden. Sie begann zu verstehen, wo sie sich lösen sollte, und fühlte sich bei uns sicherer. Dann wechselte sie schrittweise an ihren festen Schlafplatz außerhalb des Schlafzimmers.
Ging das völlig mühelos? Nein.
Die ersten Nächte waren eine Umstellung. Aber wir hatten zuvor eine Grundlage geschaffen: Nähe, Sicherheit und einen verlässlichen Ablauf.
Unsere Erfahrung: Such eine Lösung, die für dich und deinen Welpen funktioniert. In den ersten Wochen kann ein Schlafplatz in deiner Nähe vieles erleichtern.
Stubenreinheit – fang sofort an, erwarte nicht zu viel
Ein zwölf Wochen alter Welpe hat noch begrenzte Kontrolle über seine Blase und ungefähr die Impulskontrolle eines Flohs.
Langes Einhalten klappt einfach noch nicht zuverlässig.
Das ist keine Ungehorsamkeit. Das ist ein junger Körper, der noch lernt.
Was bei uns geholfen hat:
Nach dem Schlafen raus. Nach dem Fressen raus. Nach dem Spielen raus. Nach einem Nickerchen ebenfalls raus.
Eigentlich nach ziemlich vielem.
Und wenn du unsicher bist: lieber noch einmal raus.
Mutter und Geschwister haben bereits wichtige Grundlagen für Kommunikation und Beißhemmung gelegt. Nach dem Umzug begleitest du diese Entwicklung weiter. Die Frage, wo man seine Blase entleert, müsst ihr trotzdem gemeinsam klären.
Löst sich dein Welpe draußen nicht? Geh kurz wieder hinein, behalte ihn aufmerksam im Blick und versuch es wenig später erneut. Zeigt er vorher entsprechende Anzeichen, geh sofort wieder raus.
Wenn es draußen klappt, belohne ihn direkt und ruhig. Ein freundliches, gleichbleibendes Wort hilft ihm, den richtigen Moment zu erkennen.
Ein Missgeschick im Haus?
Keine Strafe. Keine Nase hineindrücken. Kein Donnerwetter.
Mach es ruhig sauber, möglichst mit einem geeigneten enzymatischen Reiniger, damit kein Geruch zurückbleibt.
Dein Welpe soll lernen, wo er sich lösen darf. Er soll nicht lernen, sich dafür vor dir zu verstecken.
Bei Zara dauerte es ungefähr drei Wochen, bis sie das Prinzip wirklich verstanden hatte. Das bedeutete nicht, dass danach nie wieder etwas daneben ging.
Manche Welpen brauchen weniger Zeit, andere deutlich mehr. Bleib geduldig und halte den Ablauf verlässlich.
Sozialisation – eine der wichtigsten Investitionen in euer gemeinsames Leben
Sozialisation beginnt bereits beim Züchter. Besonders die ersten drei Lebensmonate sind wichtig. Danach wird Lernen natürlich nicht abgeschaltet, aber neue Erfahrungen können mehr Unterstützung brauchen. avsab.org
Das klingt nach einer großen Aufgabe.
Im Alltag heißt es vor allem: Lass deinen Welpen die Welt in kleinen, positiven Portionen kennenlernen.
Andere Hunde. Kinder. Fahrräder. Straßenbahnen. Menschen mit Hüten oder Gehstöcken. Rollstühle. Stadtgeräusche. Wald. Regen. Wind.
Nicht alles an einem Nachmittag. Ihr zieht einen Hund groß, keinen Reiseblog.
Sozialisation bedeutet auch nicht, dass dein Welpe jeden Menschen begrüßen und mit jedem Hund spielen muss. Aus sicherer Entfernung beobachten, ruhig bleiben und anschließend wieder entspannen können ebenfalls gute Erfahrungen sein.
Die Qualität ist wichtiger als die Anzahl der abgehakten Begegnungen.
Gute Sozialisation kann das Risiko späterer Ängste verringern. Sie ist aber keine Garantie für ein Leben ohne Schwierigkeiten. Veranlagung, Gesundheit und spätere Erfahrungen spielen ebenfalls eine Rolle.
Geeignete Welpenkurse können bereits vor Abschluss aller Impfungen sinnvoll sein. Die AVSAB nennt unter kontrollierten Bedingungen einen möglichen Beginn ab etwa sieben bis acht Wochen. Das ersetzt weder das gesetzliche Abgabealter noch eine individuelle tierärztliche Einschätzung: Besprich Impfstatus und örtliche Infektionsrisiken mit deiner Tierarztpraxis und achte auf Hygiene sowie klare Teilnahmebedingungen. avsab.org
Investiere in diese ersten Wochen. Ruhig, bewusst und mit genügend Pausen.
Was du vermeiden solltest – fünf häufige Fehler
1. Zu viel auf einmal
Dein Welpe muss nicht sofort alles sehen, können und kennenlernen.
Nach einer neuen Erfahrung darf auch einfach Ruhe kommen. Ein freier Nachmittag ist kein Entwicklungsrückstand.
2. Zu viel Freiheit zu früh
Das ganze Haus ist für einen Welpen schnell zu viel. Mehr Möglichkeiten für Missgeschicke, mehr Dinge zum Anknabbern und weniger Überblick für dich.
Begrenze den Bereich zunächst sinnvoll und mach ihn sicher. Mit wachsender Sicherheit kann auch sein Bewegungsraum größer werden.
3. Missgeschicke bestrafen
Siehe oben.
Du brauchst einen besseren Ablauf, keinen strengeren Gesichtsausdruck.
4. Den Schlaf vergessen
Junge Welpen schlafen und ruhen sehr viel. Häufig werden ungefähr 16 bis 20 Stunden pro Tag genannt, wobei der tatsächliche Bedarf individuell schwankt.
Das ist kein Zeichen mangelnder Motivation.
Der kleine Hund verarbeitet gerade eine ganze Welt. Lass ihn ungestört schlafen und schütze seine Ruhezeiten.
5. Erwarten, dass der ältere Hund alles regelt
Auch für deinen bisherigen Hund verändert sich viel.
Gib beiden Aufmerksamkeit. Und schütze den älteren Hund davor, zum rund um die Uhr verfügbaren Welpenspielplatz zu werden.
Ein Welpe, der ständig an fremden Ohren hängt, ist vielleicht auf einem Foto niedlich. Für den Hund mit den Ohren sieht die Sache anders aus.
Zara – die erste Woche in einem Satz
Sie wimmerte im Auto. Wurde von Ayla ignoriert. Erkundete unser Haus mit der Nase einer Ermittlerin. Und schlief in der ersten Nacht völlig erschöpft neben unserem Bett.
Gut. Das waren mehrere Sätze. Eine Schäferhundwoche lässt sich schlecht komprimieren.
Am nächsten Morgen schaute sie uns mit diesem Blick an. Diesem Blick, den Schäferhundmenschen kennen.
Als wollte sie sagen: Gut. Das ist jetzt mein Platz. Ich bin zu Hause.
Das war der Moment.
Nicht die Ahnentafel. Nicht die Papiere. Nicht der italienische Vater mit IGP3.
Einfach dieser Blick.
Zusammenfassung – die erste Woche mit einem Schäferhundwelpen
- Beachte das gesetzliche Mindestalter und schau auf die Entwicklung sowie die bisherigen Erfahrungen des Welpen. Zwölf Wochen sind nicht automatisch besser.
- Transportiere ihn sicher in einer geeigneten, gesicherten Box oder mit einem passenden Sicherheitssystem. Nicht ungesichert auf dem Schoß.
- Ein Tuch mit vertrautem Geruch kann die Fahrt und die ersten Nächte erleichtern.
- Gib ihm Zeit zum Ankommen. Der große Besuch kann warten.
- Begleite das Kennenlernen mit deinem bisherigen Hund. Erzwinge keinen Kontakt.
- Ein Schlafplatz neben deinem Bett kann anfangs helfen. Gewöhne ihn behutsam an eine Hundebox und nutze sie niemals als Strafe.
- Geh nach Schlafen, Fressen und Spielen mit ihm raus. Belohne draußen, statt Missgeschicke drinnen zu bestrafen.
- Gestalte neue Erfahrungen ruhig und positiv. Qualität geht vor Menge.
- Schütze seine Schlaf- und Ruhezeiten. Ein Welpe braucht keine Dauerbespaßung.
Zieht bei dir bald ein Welpe ein? Oder erkennst du eure erste gemeinsame Woche wieder? Erzähl es uns in den Kommentaren!
Folge uns auf YouTube, TikTok und Instagram für regelmäßige Einblicke in das Leben mit Zara. Und wer weiß – vielleicht gibt es bald noch mehr Neuigkeiten …
🐕 Erfahrung, ohne die Fakten zu vergessen
Wir schreiben aus fast dreißig Jahren Leben mit Deutschen Schäferhunden. Persönliche Erfahrungen benennen wir als solche. Praktische, medizinische und verhaltensbezogene Informationen prüfen wir anhand verlässlicher Quellen. Und wenn etwas nicht sicher ist, sagen wir das auch.




























